Hell yeah!

Alle (zehn!) Jahre wieder trifft sich die Kunstwelt im westfälichen Münster zu einer Art Schnitzeljagd der Kunst. Die ART VON WERT-Kunstexpertin Nicole Ströll war vor Ort. Die ganze Stadt wird bespielt mit Installationen, Performances oder ganz klassischen Außenskulpturen. Die Teilnehmerliste ist renommiert: Gregor Schneider, Thomas Schütte, Pierre Huyghe und Nicole Eisenman sind unter den 35 Teilnehmern. Dank der Vielfalt der Darstellungsformen dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Nachhaltig in Erinnerung bleiben die Installationen von Hito Steyerl „HellYeahWeFuckDie“ im Gebäude der LBS West, von Gregor Schneider am LWL Landesmuseum sowie von Aram Bartholl in der Unterführung am Schlossplatz.

Die Autorin und Filmemacherin Hito Steyerl zeigt auf drei Monitoren im Foyer Dokumentationsmaterial über Krafteinwirkungen auf humanoide Roboter. Die Videos beginnen mit der Animation eines Satz: „Hell yeah we fuck die“, die am häuigsten gebrauchten fünf Worte in den englischsprachigen Musikcharts. Diese Wortfolge findet sich auch als leuchtende Schriftkörper über das Foyer verteilt wieder. Im hinteren Bereich ist ein weiteres Video zu sehen mit Aufnahmen aus der kurdischen Stadt Diyarbakir im Südosten der Türkei, deren Innenstadt 2016 weitgehend durch das türkische Militär zerstört wurde. Steyerl kombiniert die Aufnahmen aus der Stadt mit Fragen an die auf Smartphones installierte Software SIRI: Welche Rollen spielen Computertechnologien im Krieg?

Die Installation „N. Schmidt“ von Gregor Schneider sollte jeder selbst erlebt haben, auch wenn dies in der Regel bedeutet, Schlange zu stehen, werden doch immer nur zwei Personen gleichzeitig in die ortsspezifische Installation gelassen. Ein separater Eingang an der Westseite des LWL-Museums führt über eine Treppe in den ersten Stock zu einem Vorraum, von dem aus eine Wohnung abzweigt Die Abfolge von Flur, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Badezimmer und anschließend wieder Vorraum wiederholt sich in einer weiteren Einheit. Der Eindruck der Unmittelbarkeit wird selten so intensiv erzeugt wie in den räumlichen Interventionen des Mönchengladbachers und muss vom Betrachter körperlich erfahren werden.

Aram Bartholls Installationen basieren auf thermoelektrischen Apparaturen, die Feuer direkt in elektrische Energie umwandeln. Daraus entwickelt der Künstler eine überaus poetische Installation in der alten Unterführung am Schlossplatz, in die er Kandelaber in der Tradition gotischer Kirchenleuchter im „Längsschiff“ der Unterführung anbringt und so eine quasi-sakrale Stimmung erzeugt. Die Leuchter bestehen aus Kerzen, die mit Hilfe von Transformatoren, LEDs zum Leuchten bringen.

Die Skulptur Projekte Münster sind bis zum 01. Oktober zu sehen. Infos unter https://www.skulptur-projekte.de/#/

© Art von Wert 2017